Demeter
Gruppenbild Adolphshof
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11. Dezember 2009

Selbstständig ist nicht alleine ... und gemeinsam lassen sich neue Horizonte entdecken!
Von Karen Rieman für Bildungsangebote MitMensch

AlleInklusive!

Im Herbst haben sich 80 Menschen in der Bad Hersfelder Jugendherberge getroffen, um gemeinsam auszuloten, wie man einerseits selbstständig sein kann aber auch wie man sich als selbstständiger Mensch mit anderen in Gemeinschaft zusammentun kann. Das Besondere: Die Tagung war von einem inklusiven Team für Menschen mit Behinderung geplant. Das Interessante: Auch TagungsteilnehmerInnen, die bewusst (manche sogar unbewusst) daran teilgenommen haben, wurden herzlich in die Tagung integriert. Ein Beispiel, das Schule machen sollte!

Viel wurde bewegt:

Ein mit einfachsten Mitteln dargebotenes Schattenspiel zeigte beispielhaft, was man mit freier Zeit anfangen kann. "Was tue ich, wenn ich nichts zu tun habe?" war die Frage dieser Arbeitsgruppe.
Anschließend machte die Gruppe, die sich mit Wegen in den ersten Arbeitsmarkt beschäftigt hatten, deutlich, dass sie lieber erst in dem Rahmen ihrer vertrauten Werkstatt durch ausbildungsähnliche Schritte gefordert und gefördert werden wollten, bevor sie sich dann zum Praktikum nach "draußen" trauen könnten.
Aus ihrer üblichen Alltagsrolle fallen konnten Teilnehmer im Rollenspiel zum Thema - Wünsche, etwas anderes zu tun, jemand anderes zu sein wurden "geprobt".
Der „Umgang mit dem "ständigen Selbst" wurde in einer anderen Gruppe durch selbstständiges Puzzlespiel in Gemeinschaft nachgespielt und erkundet. Was kann ich dafür, dass ich selbst stehen kann? ... Dass die anderen für sich stehen können?
Eine weitere Gruppe nahm sich der Frage an, wie Familie positiv, aber auch in behindernder Weise Einfluss auf das eigene Leben nimmt - auf die eigene Selbstständigkeit. Was kann ich tun? Wie kann Mitwirkung aussehen, wie kann sie zum Selbstständigerwerden beitragen, wie Selbstständigkeit der Einzelnen gefördert werden? Was umfasst der Begriff Selbstständigkeit alles für mich persönlich?
Einige Tagungsteilnehmer fragten sich in ihrer Gruppe: Wie leite ich andere an? Wie erkläre ich Arbeitsschritte, die ich anderen vermitteln möchte oder soll? Wie zeige ich anderen meine Stadt?
Die achte Gruppe befasste sich mit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Auch hier standen vor allem Fragen der Selbstständigkeit im Vordergrund. Dazu wurde versucht, in einfacher Sprache den Inhalt der Konvention zu verstehen, aber auch über die Bedeutung im Alltagsleben nachgedacht. Welche Schritte zur Verwirklichung können selbst (auch im Rahmen unserer Einrichtung) tun?
Eine Fülle von Fragen und Antworten, über die jede und jeder der Tagungsgemeinschaft auch nach der Tagung weiter nachdenken kann ...

Kann ich sagen: Ich will?

Nicht nur durch die Kleingruppenarbeit entstanden Fragen, wurden Antworten gesucht und gefunden. Im als Vortrag angekündigten Beitrag Jelle van der Meulens verselbstständigte sich die Suche nach der Bedeutung von Selbstständigkeit förmlich. Schon nach den ersten Worten des Vortragsredners entstand ein reger Dialog mit dem Publikum, das aktiver Mitspieler im Prozess wurde! Es wurde ein echtes Gespräch über "Selbststehen": Eigene Wahl treffen können - wissen, was man will! (Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür selbstständig zu sein. Auch wenn es uns teilweise schwerfällt, haben wir doch gelernt, dass es "ich möchte" heißt ...) - für sich selbst verantwortlich sein – Gespräche mit mir? - Wie geschieht Gemeinschaftsbildung selbstständiger Gemeinschaftsteilnehmer ... - Und immer wieder das Lauschen auf Unausgesprochenes meines Gegenübers, der, wie ich, vieles gar nicht in Worten ausdrücken kann ... Die Fragen und Kommentare der Zuhörer waren tiefgründig, offenbarten Persönliches und bewegten.

Es ist unmöglich diesen Vormittag in angemessenen Worten wiederzugeben, es entstand auf jeden Fall Kreativität und etwas, dass Mut zum „Selbst-Stehen“ zu machen schien.

Selbst-Stehen, gemeinsam feiern:

Das zeigte sich nicht nur am Abend, der bunter wurde als zunächst erwartet! Soloauftritte von Instrumentalkünstlern an Geige, Klavier, Mandoline und Gitarre aber auch Aufforderungen zum Mitsingen beschwingten. Plötzlich waren alle, wie "über den Wolken muss, die Freiheit doch grenzenlos sein" bevor dann nach Rollenspiel und literarischen Kurzbeiträgen zur eigenen Lebenssituation die Tanzfläche freigeräumt wurde. Denn auf ausdrücklichen Wunsch der Teilnehmer aus allen Altersstufen zwischen 18 und 68(?) war Disco mit bestens geeigneter Musik angesagt, die sich mit bewegen wollten – ein Abend, der den ersten Abend zum gegenseitigen Kennenlernen auf intensivste Weise ergänzte!

Fazit:

Der letzte Programmpunkt drückte den Inhalt der Tagung "Selbstständig ist nicht alleine ..." auf faszinierende Weise aus, wie man ihn hätte gar nicht planen können: Die gut achtzig TagungsteilnehmerInnen lauschten - ganz erfüllt mit vielen Eindrücken der vergangenen beiden Tage - zwei Musikern aus der Gemeinschaft Altenschlirf, die spontan zum Abschuss aufspielte. Dabei war das Besondere ihr jeweils selbstständiges Spiel auf demselben Klavier ... Beide hatten ihre Rolle im gemeinsamen Musizieren nicht eingeübt, sondern fanden nun improvisierend und aufeinander lauschend ins Spiel. Faszinierend, wie passend ein so besonderes Konzert die Tagung "Selbstständig ist nicht allein". Zuvor hatten alle der acht Arbeitsgruppen, die jeweils drei intensiv genutzte Zeiteinheiten aus verschiedenen Blickwinkeln zu Fragen der Selbstständigkeit miteinander gearbeitet hatten, im Abschlussplenum etwas "gezeigt".
Die Tagungsgemeinschaft, die im Laufe der beiden Tage in Bad Hersfeld zusammengewachsen war, ließ im Saal durch die gespannte Aufmerksamkeit Neues entstehen. Denn hier kam wesentlich mehr herüber als nur die Wiedergabe der bereits vorher entstandenen Arbeitsgruppenergebnisse!

Fortsetzung folgt:

Vielleicht wird durch die Schilderung deutlich, wie durch zweitägige offene Begegnung in einerseits gemeinsamer Aktivität und andererseits gut bemessenen Pausenzeiten ein wohlwollendes spannendes Miteinander aller Beteiligten entstehen konnte. Nebenbei konnte im Rahmen von der gut vorbereiteten Stadtführung oder auf eigene Faust eine übersichtliche aber historisch sehr interessante Stadt mit ihren bekanntesten Köpfen Konrad Duden und Konrad Zuse entdeckt werden! Das bildete einen kreativen Rahmen für integrative, wenn nicht gar inklusive Bildung im besten Sinne!

Die kleine Vorbereitungsgruppe lädt MitstreiterInnen ein, das nächste Projekt zu planen und zu gestalten! Termin voraussichtlich Mitte Oktober nächsten Jahres in den gleichen, bestens bewährten Räumlichkeiten der Bad Hersfelder Jugendherberge.

Kontakt: redaktion@verband-anthro.de

 

Jugendherberge
Rathaus

Die Jugendherberge

... im mittelalterlichen Bad Hersfeld

Vorstellungsrunde1
Vorstellungsrunde_Altenschlirf

Allgemeine Vorstellungsrunde

Auch Altenschlirf stellt sich vor

Gespannt

Jelle

Aufmerksames Interesse

Jelle van der Meulen beim Vortrag

 

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