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08. Juni 2011

"Der Mensch wird am Du zum Ich." - "Du musst Dein Leben umstülpen!"
Mitgliederversammlung 2011 des Verbandes für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit e.V.

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"Wirksam werden für Mensch, Gemeinschaft und Gesellschaft", unter diesem Titel trafen sich über 160 Vertreter/innen der Mitgliedsorganisationen sowie hauptamtliche Mitarbeiter/innen und Gäste des Verbandes für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit e.V. in der Tobias Schule Bremen zur Mitgliederversammlung und Jahrestagung 2011.

Wie werden wir als Heilpädagogen und Sozialtherapeuten wirksam?

Die gewichtigen inhaltlichen Beiträge verband das Prinzip der Umstülpung. Prof. Dr. Walter Kugler zeigte unter Bezug auf die große Ausstellung 'Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart', dass verschiedene zeitgenössische Künstler an das Motiv 'das Äußere wird Inneres, das Innere wird Äußeres’ anknüpfen, das die ganze Anthroposophie durchzieht. Es geht dabei um die Korrespondenz, um das Verhältnis von Geist und Materie. Rudolf Steiner hatte zu diesem Prinzip der Inversion eine Denk- und Fühlmethode entwickelt.

Dass es genau um solche neuen und individuellen Zugänge zum anderen Menschen geht, das machte Prof. Dr. em. Georg Feusers eindrucksvoller Beitrag 'Selbstbestimmt als Teil des Ganzen leben' (s. Vortragstext und Präsentation) gerade auch an Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung deutlich. Leben im menschlichen Sinne werde durch den Dialog geschaffen, der Mensch werde am Du zum Ich. ‚Inklusion erreicht, wer kommunizieren kann, was man kommunizieren kann’, so zitierte er Niklas Luhmann und wies darauf hin, dass die zentralen Aussagen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen als Erkenntnis der Humanwissenschaften über hundert Jahre alt seien und dass es jetzt wirklich an der Zeit sei, sie wirksam umzusetzen.

In feiner Weise griff Prof. Dr. Rüdiger Grimm die Frage nach dem Ich in seinem Beitrag ‚Ich schaue in die Finsternis..., die Erfahrung von Einsamkeit und Ungewissheit auf dem Weg der Begegnung mit sich selbst' auf und entwickelte, dass das Ich des Menschen (neben dem sozialen Konstrukt) ein zentral geistig Wesenhaftes ist.

Diese allgemein menschlichen und fachlichen Inhalte wurden in themenspezifischen Arbeitsgruppen vertieft. Konkret um die Verstärkung der Wirksamkeit des Verbandes ging es – neben den Regularien – bei der Suche nach einer neuen Gesichtslinie im Auftritt des Verbandes (CI/CD) sowie bei den Beratungen über die Stärkung der sozialpolitischen Arbeit des Verbandes und einen in diesem Zusammenhang anzustrebenden möglichen zukünftigen Standort der Geschäftsstelle in Berlin. Im Verlauf der Diskussion wurde sowohl im Plenum als auch in der damit befassten Arbeitsgruppe u. a. empfohlen, nicht nur die sozialpolitische Außenvertretung des Verbandes und einen etwaigen damit verbundenen Umzug der Geschäftsstelle in die Bundeshauptstadt im Blick zu haben, sondern gleichzeitig dafür Sorge zu tragen, dass ein innerverbandlicher, anthroposophisch und fachlich fundierter Meinungsbildungsprozess insbesondere zu sozialpolitisch relevanten Fragen stattfinden kann. Diesem Votum folgten in einer Abschlussbefragung im Plenum 80 der 120 Anwesenden. Keine/r der Teilnehmer/innen sprach sich hingegen dafür aus, die Frage eines Umzugs nach Berlin nicht weiter zu verfolgen.

Damit haben der Vorstand und die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen des Verbandes ein deutliches Votum erhalten, das Thema „Verstärkung der Wirksamkeit des Verbandes“ weiter zu verfolgen und zur Standortfrage eine Beschlussvorlage für die Mitgliederversammlung 2012 zu erarbeiten.

Die Mitgliederversammlung 2011 bestätigte darüber hinaus die Aufnahme sechs neuer Trägerorganisationen in den Verband, darunter die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners, die ab dem Sommer 2011 den neuen Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr für die Einrichtungen des Verbandes koordinieren werden. Mit der AkademieSozial, dem Ita Wegman Berufskolleg und dem Verein Geist&Natur (Kaspar-Hauser Forum) ist das Spektrum der anthroposophischen Ausbildungs- und Studienangebote innerhalb des Verbandes weiter gewachsen. Durch die Bestätigung der neuen Region Saarland/Rheinland-Pfalz gibt es nun insgesamt neun Regionalkonferenzen, in denen die Mitglieder des Verbandes eng zusammenarbeiten.

Die in kollegialer und freundschaftlicher Atmosphäre verlaufene Mitgliederversammlung verdankte diesen Umstand nicht zuletzt der sehr gut organisierten Gastfreundschaft der Verbandsmitglieder aus „Bremen und Umzu“ und hier insbesondere der Tobias Schule Bremen, die ihr überzeugendes Auftreten als gastgebende Einrichtung mit einem eindrücklichen, eurythmisch-musikalisch-sportlichen 12. Klass-Abschluss krönte!

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