2010: Was ist UNs nah?
Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen
Was ist UNs nah? Das Wortspiel des Titels deutete auf das Tagungsthema hin: Geschaut wurde auf die Umsetzungspotenziale der UN-Konvention über die Rechte für Menschen mit Behinderungen ganz konkret vor Ort in den LebensOrten, im Alltag. Was bedeutet das Übereinkommen der Vereinten Nationen für die Teilnehmenden in ihrem Alltag in den Lebensgemeinschaften? Was bedeutet es für die Zukunft? Welche Entwicklungsschritte müssen gegangen werden, um das umzusetzen, was Sinn und Ziel des Übereinkommens ist? Diese und weitere Fragen behandelten BewohnerInnen, MitarbeiterInnen der Verbandseinrichtungen und Angehörige anlässlich der Tagung des Fachbereichs LebensOrte im September 2010 im Niels-Stensen-Haus in Lilienthal.
»Es berührt mich sehr, dass ich an dieser Tagung teilnehmen darf …«
Einige Umfrage-Ergebnisse aus den Workshops zeigen, dass es wirklich ganz konkret wurde: »Wer lebt in Gemeinschaft?« ~ 90 %
»Wer hat einen eigenen Schlüssel?« ~ 10 %!
Wo steht das Telefon? – »Im Wohnzimmer, schnurlos; kann es mit auf’s Zimmer nehmen.« – »Telefon steht im Wohnzimmer, ist fest angeschlossen. Das reicht mir nicht!!!« – »Ich möchte gern allein mit meiner Mutter telefonieren.
Es stört mich, dass ich (24 Jahre alt, seit 2 Jahren in dieser Gemeinschaft) nicht die Möglichkeit dazu habe. Ich habe nicht die Kraft, meine Bedürfnisse wirklich zum Ausdruck zu bringen.« –
»Wir haben regelmäßig Hausbesprechungen. Vertrauen ist notwendig, ist da. Schwerpunkte werden Schritt für Schritt bearbeitet. Es berührt mich sehr, dass ich an dieser Tagung teilnehmen darf, dass es so etwas gibt. Es ist das erste Mal für mich. Es berührt mich sehr …«
In seiner Arbeitsgruppe zeigte Gastdozent Jun.-Prof. Dr. Erik Weber (Universität Koblenz-Landau) den Paradigmenwandel in der Behindertenhilfe seit 1946 auf. Das medizinisch-kurative Menschenbild, geprägt von Separation, Hospitalisierung und dem Leben in Anstalten und Psychiatrien herrschte bis etwa 1960 vor und wurde dann zunehmend durch Enthospitalisierung und Normalisierung vom pädagogisch-optimistischen Menschenbild, von Integration abgelöst. Seit Mitte der 1990er Jahre entwickeln sich Selbstbestimmung, Inklusion und Teilhabe durch Empowerment.
Im Verlauf der Tagung wurde an dieser Erkräftigung in dem Bewusstsein gearbeitet, dass sich die Haltung aller Beteiligten ändern muss, wenn Inklusion verwirklicht werden soll: Ändert euren Sinn! Das ist die epochale Aufgabe.
Auch auf seiner Tagung 2011 möchte sich der Fachbereich LebensOrte daher noch einmal mit der konkreten Umsetzung der UN-Konvention beschäftigen: Wie sie wirklich im Alltag eines heutigen LebensOrtes ankommen und umgesetzt werden kann, darum soll es vom 18. – 20.10.2011 gehen. Tagungsort wird die Dorfgemeinschaft Lautenbach in Herdwangen- Schönach sein.
Von Johannes Denger und Sabine Petersen-Lossen
Der volle Fassung dieses Beitrages lesen Sie in PUNKT UND KREIS Ostern 2011.
Die Tagungsdokumentation ist im Mitgliederbereich der Verbandshomepage eingestellt.
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