Demeter
Gruppenbild Adolphshof
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21. Juni 2009

Der fliegende Hut
oder: Die Kraft der gemeinsamen Präsenz.

Großer Applaus am Ende des kulturellen Abends!

Bericht der Jahrestagung der BundesElternVereinigung und des Verbandes für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit vom 11. bis 13. Juni 2009 in Mannheim.

„An einem schönen sonnigen Nachmittag saßen zwei Männer auf einem Hut, der flink und gar nicht träge über den Ozean flog…“,  so begann der Text von Tobias Klaiber, einem der Autoren der mittelpunkt-Schreibwerkstätten. Unter dem Titel Ich bin ganz Ohr brachten Menschen mit Hilfebedarf am kulturellen Abend Musik und Texte vor Freunden, Angehörigen und Mitarbeitern zu Gehör. Gekonnt musizierte das Orchester am Parzivalhof  im 14. Jahr seines Bestehens.

Zum ersten Mal fanden die Mitgliederversammlung der BundesElternVereinigung und des Verbandes gemeinsam statt – unter Einbeziehung der Menschen, für die beide Vereine arbeiten. Die rund 250 Anwesenden erlebten das als einen historischen Augenblick, ging es doch thematisch um Chancen und Herausforderungen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, den Völkerrechtsvertrag, den auch die Bundesrepublik ratifiziert hat und der seit dem 26. März 2009 deutsches Recht ist.

Stefanie Pagel, Referentin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, hielt mit ihrem einführenden Vortrag ein bewegtes und bewegendes Plädoyer für dieses ungewöhnlich fortschrittliche Übereinkommen, mit dem weltweit die Lebenssituation von etwa 650 Millionen Menschen mit Behinderung (10 % der Weltbevölkerung) radikal verbessert werden soll.

Die Bedeutung der UN-Konvention für Kinder und Jugendliche, die Sozialpsychiatrie im Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit, die Unterstützung von Selbstbestimmung und Teilhabe durch spirituelle Begegnung – mit solchen Themen wurde in Arbeitsgruppen versucht, die Grundforderungen der Konvention wie Barrierefreiheit, gleiche Anerkennung vor Recht und Gesetz, Recht auf Arbeit, Kampf gegen Ausbeutung und Missbrauch und für selbstbestimmtes Leben auf die Bedingungen des Alltags herunterzubrechen.

Ein Rückblick auf die Umsetzung der vor einem Jahr verabschiedeten Kriterien der Mitgliedschaft und die Beschäftigung mit den aktuellen Empfehlungen des Vorstandes zur Einrichtung regionaler Fachstellen für Prävention, Beratung und Schlichtung haben gezeigt, dass diese Initiativen zur Stärkung einer verbindlichen Zusammenarbeit von den Mitgliedsorganisationen unterstützt und getragen werden. Die Prävention gegen jedwede Form von Gewalt und für eine positive und entwicklungsorientierte Bearbeitung von Krisen und Konflikten, die im Rahmen der MV beraten und empfohlen wurden, dienen unmittelbar der Sicherung der Rechte der in den Mitgliedsorganisationen des Verbandes begleiteten Menschen mit Behinderung.

Die Mitgliederversammlung des Verbandes nahm den Jahresabschluss 2008 an und entlastete den Vorstand. Einer Anpassung der Mitgliedsbeiträge und dem Haushaltsplan 2010 wurde zugestimmt. Ebenso bestätigte die MV die Aufnahme von zwei Trägern Heilpädagogischer Schulen und von drei Trägern beruflicher Bildungsangebote, von denen einer auch beratende und therapeutische Angebote macht, sowie den Wechsel der Rechtsform bzw. der rechtlichen Trägerschaft in vier Fällen

Auf meiner Tour, die ich als Berichterstatter durch sämtliche Arbeitsgruppen der Tagung machte, konnte ich spannende Gespräche und eine gute Gesamtstimmung wahrnehmen. Besonders interessant waren die Gruppen, an denen sich Menschen mit Hilfebedarf beteiligten. Ihre Äußerungen waren durchweg pointiert, authentisch und nie langweilig! In einem Forum ging es auch um Beteiligung von Menschen mit Unterstützungsbedarf an den Verbandsgremien. Nicht überall und immer war diese Gemeinsamkeit geglückt. Deutlich wurde, dass sich die Gremien verändern müssen und werden, wenn der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden will, etwa indem man sich um leicht verständliche Sprache bemüht. Als ich abschließend die Volkstanz-AG besuchte, forderte mich ein Teilnehmer mit Gehbehinderung auf, mitzumachen. Auf meinen Einwand hin, dass ich das nicht könne, rief er fröhlich: „Das kann man lernen!“ Bei einem auch kritischen Rückblick brachte eine Teilnehmerin das Erlebnis auf den Punkt, warum wir bei aller Unvollkommenheit des Versuches nicht mehr hinter das Erreichte zurück fallen sollten: Es ist die Kraft der gemeinsamen Präsenz!


Johannes Denger

 

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