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Der Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe

Die Einrichtungen der anthroposophischen Kinder- und Jugendhilfe haben sich in Nord- und Mitteldeutschland sowie in Süddeutschland jeweils zu einer Fachgruppe zusammengeschlossen, die regelmäßigen fachlichen Austausch pflegen und gemeinsame Projekte ? wie z.B. Workcamps in Norddeutschland - und Fortbildungen durchführen.

Rechnet man Einrichtungen hinzu, die in den Fachgruppen mit den Einrichtungen unseres Verbandes kooperieren, dann sind es im Süden 15 und im Norden 12 Institutionen, die sich an der Zusammenarbeit beteiligen.

Zum allgemeinen Verständnis des Hilfebedarfs in anthroposophischen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen 

 

Die Leistungen anthroposophisch orientierter Jugendhilfeeinrichtungen beruhen auf einem spezifischen Verständnis des Hilfebedarfs der jungen Menschen, die den Einrichtungen von den Jugend- und Sozialämtern zugewiesen werden.

Ziel der Jugendhilfe ist es, den jungen Menschen in ihrer Entwicklung zu einer eigenständigen, eigenverantwortlichen, vielseitig interessierten und gesellschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern. Eine solche Hilfe muss altersgemäß und individuell entwicklungsgemäß gestaltet werden.

Für das Verständnis des jungen Menschen gehen anthroposophische Einrichtungen davon aus, dass unterschiedliche Persönlichkeitsqualitäten, aufeinander aufbauend, in unterschiedlichen Lebensabschnitten zu fördern sind. Und dass z. B. bei ausbleibender Förderung oder erziehungsschädigenden Einflüssen eine gesunde Entwicklung des jungen Menschen behindert werden kann.

Bei der Förderung des Klein- und Vorschulkindes steht die Ausbildung eines gelenkten Willens durch die gezielte Ansprache des natürlichen Nachahmungs- und Spieltriebes im Vordergrund der Erziehung. In der Grundschule bis hin zur Geschlechtsreife wird ein stabiles Gefühlsleben durch die verlässliche Präsenz einer Erzieherpersönlichkeit als liebevolle Autorität geschult. Während nach der Geschlechtsreife das Entwickeln eines freien Denkens durch Üben an der Welt im Vordergrund der Erziehung stehen soll. Individuelle Beratung und Begleitung ist hier der Schlüssel.

Die in der stationären Jugendhilfe betreuten jungen Menschen haben in ihren Herkunftsfamilien (oder anderen Lebenssituationen) eine den ganzen Menschen ins Auge fassende Erziehung in den seltensten Fällen erlebt. Wesentliche Bereiche des Willens, Fühlens und Denkens sind in der Regel nur unzureichend bzw. nicht entwickelt oder durch Misshandlung, Missbrauch u.v.m. behindert. Soziale Auffälligkeiten (Verhaltensstörungen), Entwicklungsverzögerungen und seelische Behinderung sind die Folge.

Aufgabe der ganzheitlichen Erziehung ist, entwicklungsgemäß vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten aktiv zu unterstützen, neue Interessen zu wecken, altersgemäße Fähigkeiten zu schulen, sozialverträgliche Verhaltensweisen zu üben und gleichzeitig verfrühte Entwicklungen zwanglos in den Hintergrund treten zu lassen, um so den jungen Menschen Hilfen zu geben, die individuellen Schwächen zu überwinden bzw. sie in ihrer Biographie annehmen zu können.

Dies kann nur geschehen, in dem man auf die Persönlichkeit jedes betreuten jungen Menschen in ganz individueller Weise einzugehen versucht. Ausgehend von der jeweils individuellen Biographie, die in ganz eigener Weise die Entwicklung der jungen Menschen prägt, werden therapeutische, sozialpädagogische und/oder heilpädagogische Konzepte sowie Konzepte der schulischen und beruflichen Bildung gemeinsam mit dem jungen Menschen entwickelt.
Pädagogische Arbeit bedeutet immer auch ein Arbeiten mit der Krise. Die Krise als Ausgangspunkt von Entwicklung ist fester Bestandteil des pädagogischen Alltagsgeschehens und kann bewusst eingesetzt werden, um erforderliche Entwicklungsschritte zu provozieren.

Grundlage eines gesellschaftsfähigen Miteinanders ist eine echte Beziehungsfähigkeit. Durch umfassende Präsenz der Bezugspersonen (auch über ?Dienstzeiten? hinaus oder gegebenenfalls ohne Dienstwechselrhythmus) wird eine Verlässlichkeit in der Beziehung zu den jungen Menschen angestrebt, die so stabilisierend den Verunsicherungen entgegenwirken kann und die Bindungsfähigkeit der jungen Menschen fördert.

Mittel einer solchen Erziehung sind insbesondere künstlerische, musikalische, handwerkliche und soziale Tätigkeiten, die den jungen Menschen im Alltagsgeschehen durch die Erziehungspersönlichkeiten näher gebracht werden. Sie verstehen sich einerseits vordergründig als Erlebnisqualitäten mit Freizeitcharakter, andererseits als Erfahrungsqualitäten mit Ernstcharakter.

Ein nach solchen Grundsätzen gestalteter Lebensort wirkt in seiner Gesamtheit therapeutisch auf die jungen Menschen. So erleben sich diese in der Einrichtung nicht ständig als Problemfall im Mittelpunkt konzentrierter pädagogischer, schulischer oder beruflicher Förderung, sondern als Mitglieder einer Gemeinschaft, für deren Gestalt sie mitverantwortlich sind. Die Einbindung der jungen Menschen in eine derartige vertrauensbildende Lebenswelt kann Aktivitätspotentiale und Fähigkeiten mobilisieren, die sie in die gemeinsame Lebenswelt einzubringen lernen.

Die genannten Bedingungen sind lebensmilieustiftend und bilden die Grundlage individueller Lebensentwürfe.

 

Die (spezifischen) Therapien:

 

  • Leben im Rhythmus
  • Kunsttherapie (Malen, Plastizieren, Schnitzen, dynamisches Zeichnen u.v.m.)
  • Eurythmie und Heileurythmie
  • Theaterpädagogik
  • Erlebnispädagogik
  • Reiten unter pädagogischen Gesichtspunkten
  • tiergestützte Pädagogik (Tierhaltung und Tierpflege)
  • Musiktherapie (Heilsingen und auch Instrumental)
  • Chorarbeit
  • Sprachgestaltung
  • Ernährung
  • Heilmitteltherapie
  • Massagen, Einreibungen, Wickel und Bäder
  • Bothmergymnastik
  • Psychologische Betreuung
  • die heilpädagogische Haltung des Erziehers (pädagogisches Gesetz)
  • arbeitspädagogische Maßnahmen, die auch auf einen Beruf vorbereiten und
  • Tätigkeiten in der Landwirtschaft und Landschaftspflege.

 

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