Innovative Werkstätten
Die Zukunft der Arbeit - Mit dem Ursprung Handelsverbund gehen die Werkstätten des Verbandes neue Wege
Angesichts der Tatsache, dass eine immer kleiner werdende Gruppe von Menschen, eine immer größere Anzahl von Menschen mit allen notwendigen Gütern versorgen kann (dieser Anteil könnte bis auf 20 % absinken), stellt sich die Frage, wie Menschen mit Behinderungen zukünftig in das Arbeitsmarktgeschehen eingebunden werden können. Welche Auswirkungen sind hier zu erwarten? Ergeben sich neue Arbeitsfelder?
Die "Zukunft der Arbeit" war Thema einer Tagung, die im März dieses Jahres vom Fachbereich Werkstätten in Altenschlirf ausgerichtet worden war. In den Beiträgen der Referenten wurden sowohl die arbeitsmarktpolitische Situation insbesondere vor dem Hintergrund neuer Konzepte zur Einkommensabsicherung (Grundeinkommen und zur Konsumbesteuerung als auch die konkrete Beschäftigungssituation in sozialtherapeutischen Werkstätten thematisiert. (Einen ausführlichen Beitrag darüber finden Sie in der Johanni-Ausgabe 2006 der 'PUNKT UND KREIS'.)
Durch konsequente Arbeitsteilung und Rationalisierungsmaßnahmen werden derzeit immer mehr Menschen aus normalen Beschäftigungsverhältnissen hinausgedrängt und wir sind relativ weit davon entfernt, notwendige Alternativen zu schaffen und Teilhabe am Arbeitsleben in ihrer Komplexität neu zu denken.
In 'Die Kernpunkte der sozialen Frage' setzt sich Rudolf Steiner mit den Folgen der Arbeitsteilung an einigen Stellen auseinander, wobei er das Prinzip grundsätzlich als richtig anerkennt, weil es dem Einzelnen die Möglichkeit einräumt, sich ganz den Bedürfnissen anderer Menschen zuzuwenden. Selbstversorgungsstrukturen hat Steiner bereits zu seiner Zeit als unzeitgemäß abgelehnt.
"Die Arbeitsteilung drängt den sozialen Organismus dazu, dass der einzelne Mensch in ihm lebt nach den Verhältnissen des Gesamtorganismus; sie schließt wirtschaftlich den Egoismus aus. Ist dann dieser Egoismus doch vorhanden in Form von Klassenvorrechten und dergleichen, so entsteht ein sozial unhaltbarer Zustand, der zu Erschütterungen des sozialen Organismus führt. In solchen Zuständen leben wir."
(TB-Ausgabe - Seite 107)
In einer vergleichbaren Situation befinden wir uns möglicherweise auch heute. Unsere Werkstattarbeit wird dadurch zunächst nur tangiert, könnte aber auf die Zukunft gesehen durch gesellschaftspolitische Entwicklungen stärker negativ betroffen sein. Integration durch Teilhabe am Arbeitsleben wird teilweise bereits als Kostenverursacher diskreditiert, ohne den Zuwachs an Lebensqualität der Betroffenen zu erkennen und angemessen zu würdigen.
Um sich auf absehbare Veränderungen einzustellen, erscheint es mir in diesen Zeiten außerordentlich ratsam, dass Werkstätten Kompetenzen bündeln und 'arbeitsteilig denken', sofern es um Fragen der Produktion oder des Vertriebs geht. Im Grunde genommen sollte man in anthroposophischen Werkstattzusammenhängen über eine Zentralvermarktung der handelsfähigen Eigenprodukte nachdenken, was sicherlich erfolgreich möglich wäre, die Nachfrage erheblich verbessern und Arbeitsplätze in der von uns gewünschten Ausgestaltung nachhaltig sichern könnte. Werkstätten sollten enger 'zusammenrücken' und entstehende Synergien nutzen.
Mit dem Ursprung-Handelsverbund (www.ursprung-handelsverbund.de) geht man hier schon in die richtige Richtung. Unter anderem wird über diesen Verbund deutlich, welche außergewöhnliche Produktvielfalt gemessen an der Größe unseres Verbandes aus unseren Werkstätten hervorgeht; das kann sich sehen lassen!
An dieser Stelle möchten wir Beispiele innovativer Werkstattarbeit vorstellen und auf diesem Wege Gegenbilder zur allgemeinen 'Arbeitsmarktverdrossenheit' erzeugen.
Günter Homberg
(Fachbereichssprecher Werkstätten)


